Ich komme nicht vorran!

Üben, Gestalten, Präsentieren, Akkorde, Theorie usw.

Ich komme nicht vorran!

Beitragvon Kev92 » Do 03. Dez 2009, 22:11

Guten Abend,

ich lerne jetzt seit 1 1/2 E-Gitarre. Akkorde klappen gut, ein ein bisschen Pentatonik ist auch schon drin.
Ich bringe mir alles selbst bei. Nur irgendwie stehe ich die letzten 3 Monate auf einem Punkt fest, ich komme nicht vorran. Ich weis nicht was ich üben soll.
Ich spiele am bzw würde gerne spielen so etwas zwischen, Country, Rock, Surf, Blues, so etwas halt aus den 40-70ern.
Aber ich komme einfach nicht vorran. Und ich spiele fast nur noch die gleichen lieder wie zb Apache, Walk the Line, Hurt,
Was soll ich lernen damit ich besser werde?
Das reine begleiten von Lieder finde ich nicht so tolle.

Ich hoffe ihr könnt mir helfen, den im Moment fustiert mich das ganze Gitarrenspielen!

Schonmal danke im vorraus
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Re: Ich komme nicht vorran!

Beitragvon tuppes » Fr 04. Dez 2009, 09:26

Spielst du immer alleine? Dabei muss man ja trübsinnig werden. Such dir Leute, mit denen du zusammen spielen kannst. Idealerweise eine komplette Bandbesetzung, aber jede Teilmenge davon funktioniert auch.
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Re: Ich komme nicht vorran!

Beitragvon Sunny » Fr 04. Dez 2009, 10:01

Hi... such Dir 'nen guten Gitarrenlehrer, das ist nach meiner Erfahrung viel effektiver und motiviert ungemein.
Der Lehrer kennt bestimmt auch die Wege, die Dich aus Deiner momentanen kreativen Sackgasse heraus führen werden.

Grüße -> Sunny
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Re: Ich komme nicht vorran!

Beitragvon Strato Incendus » Fr 04. Dez 2009, 18:50

Das reine begleiten von Lieder finde ich nicht so tolle.


Das kann ich verstehen, dafür gibt's mehrere Gründe:
1. Wie schon gesagt, wenn man immer nur allein spielt, wird das früher oder später langweilig. Ich erzähle dazu mal 'ne kleine Story:
Ich bin zwar in zwei Bands in der Schule, die werden aber beide von Lehrern geleitet. In einer covern wir ausschließlich, weil wir mehr so 'ne Art Begleitband für die Schulchöre sind, und in der anderen werden ausschließlich Songs selber "geschrieben" (d. h. jede Menge Akkordfolgen, ein paar Melodien und gerade mal ein Text - weil unser Lehrer mMn das Pferd immer von hinten aufzäumt; ich fange immer mit dem Text an). Das sind also jedenfalls die beiden Extreme - ist ja an sich nicht schlecht. Nur bei den Coversongs gibt es eben schon sehr klare Vorgaben, da man ja den Chor nicht übertönen darf, und man muss als Klampfer schon froh sein, wenn man mal 8 Takte Solo in "One Fine Day" zugestanden bekommt. (Und auf Tempo 184 sind die viel zu schnell vorbei. :lol: :( )
Umgekehrt machen wir bei dieser Songwriting-Trupp ehr was in Musikrichtungen, die meiner Meinung nach ehr Randgruppen sind - Reggae, Funk, und natürlich überall ein Rappeinschlag mit drin, weil wir eben zwei Rapper in der Gruppe haben (die sonst nix können, weil sie keine Instrumente spielen :twisted: ). Funk und Reggae beschränken sich gitarrentechnisch meist auf cleane, höhenreich-spritzig gespielte Akkorde, Reggae ehr am unteren Ende des Griffbretts, Funk ehr auf den höheren Saiten. Klar kann man auch da ein bisschen Shredden und ordentlich vom Leder ziehen, ich will auch nicht sagen, dass diese Musikrichtungen grundsätzlich für Gitarristen anspruchslos sind. Fakt ist nur, dass keiner von uns beiden (bei der Songwriting-Truppe sind wir zwei Gitarristen) so wirklich Ahnung von Funk- und Reggae-Gitarre hat.
Kurzum: Keiner hasst die Musik, die dabei rumkommt (sonst wären wir ja schließlich nicht mehr dabei), deshalb beschwert sich auch keiner, aber siehe da, wenn einer mal ein Rockriff anfängt, springen alle direkt begeistert auf.

Daran sieht man, obwohl wir zusammen spielen und die beiden Bands eigentlich aus den gleichen Leuten bestehen, kommt da kreativ nicht so viel eigenes mit rein und es entsteht zuweilen eine andere Art der Langeweile. Man muss sich natürlich darüber im Klaren sein, dass man in der Gruppe immer Kompromisse machen muss. Aber in diesen beiden bestimmt eben hauptsächlich der Lehrer, der das ganze leitet.
Es hindert einen ja auch an sich niemand daran, sich mit den gleichen Leuten privat als Band zu treffen, ohne irgendwelche leitenden Personen, doch wenn die Probe mit der eigentilchen Band vorbei ist, verkrümeln sich jedoch dann schon wieder so viele, dass man nicht mehr sagen kann: So, jetzt stellen wir mal selbst was auf die Beine, wo jeder etwas mehr Freiheiten hat. Das hört sich vielleicht nach mangelndem Enthusiasmus an, aber wir schleppen nun halt zweimal die Woche unsere Instrumente mit in die Schule und verbringen nach dem regulären Unterricht (wie die meisten jungen Bands wahrscheinlich) einiges an Zeit da. Hausaufgaben gibt's ja auch noch und außerdem haben wir ja alle auch noch weiterhin Unterricht auf unserem Instrument. Deshalb ist es ja auch verständlich, wenn man nicht zweimal in der Woche bis vier Uhr probt, ohne vorher was gegessen zu haben, und nachher sich dann auch noch Mathe und was weiß ich um die Ohren schlagen muss.

Ein anderes Problem, das zur Flaute in der Band aufgrund eines mangelnden Repertoires führen kann, kennen wahrscheinlich viele: uneinheitlicher Musikgeschmack. Zwar nicht so uneinheitlich, dass man sich überhaupt nicht vertragen und überhaupt nicht zusammen Musik machen könnte, aber auch nicht einheitlich genug, als dass man die Lieblingslieder der anderen kennt. Oder zwei bis drei Leute kennen vielleicht ein Lied, und der Rest nicht.
Ist das nur bei uns so, oder geht das auch bei euch ungefähr nach dem Schema: "Kennt ihr .... ?" "Nee." (kurzes Anspielen des Liedes z. B. durch den Keyboarder, der Gitarrist sucht noch nach den passenden Akkorden oder fragt in den Lärm hinein, in welcher Tonart denn der Pianist bitte gerade spielt, der Bassist versucht von der Position der Finger des Gitarristen am Griffbrett zu schließen, welche Grundtöne er spielen muss, und letztendlich spielen alle gerade mal ein paar Takte zusammen, meistens mit einem anderen Rhythmuspattern, ehe man das ganze wieder abbricht)
Auf diese Weise werden tausende Lieder angerissen und wieder verworfen, dazwischen wird immer mal drauf los gejammt, bis das spontan ausgedachte Hauptriff bis zum Erbrechen durchgenudelt wurde, ehe man sich auf irgend einen kleinen, gemeinsamen Nenner einigt. Und der heißt bei uns im Umfeld meist Punk und Alternative. :roll:

Akkorde klappen gut, ein ein bisschen Pentatonik ist auch schon drin.


Wenn ein "bisschen Pentatonik" drin ist, sollte man das jetzt auch anwenden: Das Solo von Stairway to Heaven zum Beispiel basiert auf der A-Moll-Pentatonik. (Tabs gibt's zuhauf, und für dieses spezielle Solo gibt's auch Lehrvideos in Massen.) :wink:
Sobald du verschiedene Fingersätze kennst, kannst du dieses Wissen mit Erinnerungen an komplette Soli verbinden, und früher oder später wirst du dich freier auf dem gesamten Griffbrett bewegen. Als ich gerade ein Jahr Gitarre gespielt habe (also vor einem Jahr um diese Zeit) war das erst einmal mein Hauptziel. Dann sind mir DragonForce auf YouTube begegnet und Geschwindigkeit von mindestens 200 BPM stellte sich als das nächste ein. :wink:
Mein erstes Solo, das weiß ich noch, war, nachdem ich das von "Step by Step" auf der DVD draufhatte, das von "Smoke on the Water". Das ist allerdings für den Anfang relativ schwer, weil die schnellen Läufe allesamt auf 3 notes per-string-Fingersätzen basieren, wo man die Finger weiter spreizen muss als bei der Pentatonik, und die Sechzehntel müssen letztendlich auf 112 BPM klappen. Deshalb denke ich, Stairway to Heaven - vielleicht nicht das komplette Solo - wäre ein guter Anfang. :wink:

Und sonst mach doch in deiner Songbegleitung einfach 'ne Pause mit dem Akkordspiel an einer passenden Stelle und improvisier ein wenig mit der Pentatonik! Ja, ich weiß, das klingt recht dünn, wenn plötzlich die Hintergrunduntermalung der Akkorde fehlt, aber mach es trotzdem; oder bedien dich eben eines Jamtracks oder schlicht und einfach des Originalsongs. Für sowas sei einem noch einmal zu Guitar Pro geraten, das Programm ist echt ein Tausendsasser, und das nicht nur für Gitarristen.

Das reine begleiten von Lieder finde ich nicht so tolle.


Singst du denn dabei? Oder spielst du lediglich die Akkorde, die zum Song passen?
In letzterem Fall muss man wohl sagen, dass man dann nicht von irgendjemandem erwarten kann, dass er erkennt, was man da macht.
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Re: Ich komme nicht vorran!

Beitragvon Nadeshda » Sa 05. Dez 2009, 18:00

Kurz und knapp mein Tipp: such Dir eine Band bei der Du mitmachen kannst. Vielleicht am Anfang als 2. Gitarre (Rhyhtmus-Gitarrist), bis Du etwas Erfahrung hast. Immer nur alleine zu spielen wird auf Dauer langweilig und man verliert gan einfach den Ehrgeiz an der Sache.
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Re: Ich komme nicht vorran!

Beitragvon tuppes » Mo 07. Dez 2009, 10:00

Strato Incendus hat geschrieben:'ne Art Begleitband für die Schulchöre

Klar, bei sowas steht man als Band immer etwas im Hintergrund. Aber ihr habt einen warmen Proberaum und jedes Jahr ein paar Auftritte als Schulband, mit einem verlässlichen Kern an Zuhörern. Dafür begleitet ihr den Schulchor bei seinen Auftritten und nehmt dabei musikalisch ein bisschen Rücksicht. Ist doch ein fairer Deal ...

dass man in der Gruppe immer Kompromisse machen muss

Klar, aber wenn die Kompromisse überhand nehmen, ist auch was falsch.

... aber siehe da, wenn einer mal ein Rockriff anfängt, springen alle direkt begeistert auf.

Na, das ist doch mal ein Ansatz. Baut das doch mal gezielt aus. Und wenn eure Rapperhelden sagen "das können wir nicht singen", dann sollen sie es lernen. Kann ja wohl nicht angehen, dass eine ganze Band sich anödet, nur weil die Herren Vokalisten nicht imstande sind, mal einen Rockschrei loszulassen.

Oder sucht euch für die rockigen Parts noch einen Sänger oder eine Sängerin. Ihr habt eine ganze Schule voller Jungs und Mädels. Wird doch wohl einer dabei sein, der sowas kann.

kurzes Anspielen des Liedes z. B. durch den Keyboarder, der Gitarrist sucht noch nach den passenden Akkorden oder fragt in den Lärm hinein, in welcher Tonart denn der Pianist bitte gerade spielt, der Bassist versucht von der Position der Finger des Gitarristen am Griffbrett zu schließen, welche Grundtöne er spielen muss, und letztendlich spielen alle gerade mal ein paar Takte zusammen, meistens mit einem anderen Rhythmuspattern, ehe man das ganze wieder abbricht

Das klingt nach schlechter bzw. fehlender Vorbereitung. Anstelle von Anspielen-und-Durchwursteln könnte man auch CDs und einen CD-Player dabeihaben. Dann kann jeder seine Lieblingsstücke im Original vorstellen, und aus denen wird eine Handvoll Songs ausgewählt, die in den kommenden Wochen eingeprobt werden.

Bis zur nächsten Probe ist dann Zeit, Texte auszudrucken, Leadsheets zusammenzubauen, MP3s zum Reinhören zu verteilen usw. Wenn ihr euch wiedertrefft, haben alle die Songs schon mal im Ohr und können losproben.

So eine Auswahlrunde macht man natürlich nicht jede Woche, sondern nur, wenn man neuen Stoff braucht.
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Re: Ich komme nicht vorran!

Beitragvon Strato Incendus » Mi 09. Dez 2009, 21:44

Klar, bei sowas steht man als Band immer etwas im Hintergrund. Aber ihr habt einen warmen Proberaum und jedes Jahr ein paar Auftritte als Schulband, mit einem verlässlichen Kern an Zuhörern. Dafür begleitet ihr den Schulchor bei seinen Auftritten und nehmt dabei musikalisch ein bisschen Rücksicht. Ist doch ein fairer Deal ...


Natürlich ist das ein fairer Deal. Wir mussten nur mehrmals mit dem Chor- und Bandleiter sprechen, damit die Herren Gesangsverein mal geruhen, vor dem Auftritt einige Male mit uns zu üben - wie sollen wir uns sonst darauf einstellen, in welcher Lautstärke wir spielen sollen?
Zusätzlich gibt es eben das "Problem", dass ich dir einzige Gitarrist bin. Das heißt zwar, es gibt nur einen Deppen, der ab und zu meint, sich profilieren zu müssen :lol: , aber das bedeutet auch, dass ich von meinem kaum hörbaren cleanen Akkordspiel oft recht schnell zum laut hörbaren, fetten Soloklang wechseln muss. Heißt im Extremfall: Poti vom Single Coil auf Humbucker umlegen, zwischen Hals- und Steg-Tonabnehmer wechseln, Zerre einschalten, und den Lautstärkeregler aufreißen bzw. das Volume Pedal durchdrücken (ein einfaches Boostpedal habe ich halt nicht, bis jetzt habe ich das Effektgerät mit dem Pedal aber auch nicht mitgeschleppt, da davon herzilch wenig zum Einsatz käme und es doch noch einiges an Zusatzplatz wegnimmt. Das kriege ich auch noch gerade mit dem Lautstärkeregler hin, wenn man sich auf den denn verlassen kann; der am Steg macht bei meiner Hagstrom Super Swede nicht immer so ganz, was er soll - das heißt, man kann ihn nicht immer ganz auf Null drehen; leiser wird es grundsätzlich schon, nur wenn man zu weit dreht, ist die Klampfe plötzlich wieder auf volle Lautstärke aufgedreht :D ).

Wenn dann einmal alles aufeinander abgestimmt ist, haben wir auch kein Problem damit, uns zurückzunehmen (etwaige Fehler hört man dann sowieso nicht so sehr : ) ). Es geht halt nur um die Art von Songs, die gerade mit dem Gospel Chor gesungen werden; das geht auch oft ins Funk-Jazzige. Nicht nur, dass ich mich da kaum auskenne (obwohl es sogesehen wieder gut ist, dann lerne ich ja was in der Band), aber ich finde auch, dieses ewige Synkopen-Geklacker mit cleanen Dominantseptakkorden klingt nicht wirklich schön.
Die interessanten Sachen machen in dieser Art von Musik eben ehr Keyboard und Bläser, sowie zuweilen eben der Bass bzw. dann auch das Schlagzeug, die beiden müssen ja an einem Strang ziehen. :D Klar wird im Jazz viel auf der Hollowbody gefrickelt, aber... das klingt ja auch nicht wirklich schön, oder? :mrgreen: Aber ist egal, die Jazzgitarristen dürfen, damit ihnen nicht langweilig wird. :twisted:

Na, das ist doch mal ein Ansatz. Baut das doch mal gezielt aus. Und wenn eure Rapperhelden sagen "das können wir nicht singen", dann sollen sie es lernen. Kann ja wohl nicht angehen, dass eine ganze Band sich anödet, nur weil die Herren Vokalisten nicht imstande sind, mal einen Rockschrei loszulassen.

Oder sucht euch für die rockigen Parts noch einen Sänger oder eine Sängerin. Ihr habt eine ganze Schule voller Jungs und Mädels. Wird doch wohl einer dabei sein, der sowas kann.


Momentan haben wir zwei Rapper (die aber in letzter Zeit aufgrund der Terminverlegung der Probe oft nicht kommen konnten), zwei Backgroundsängerinnen und eben noch den anderen Gitarristen und den Keyboarder, die zuweilen Gesangsparts übernehmen. Gesanglich liegt das Hauptproblem aber darin, dass beim sogenannten Songwriting kaum Fokus auf den Text gelegt wird. Fast alles beginnt mit einer Akkordfolge, über die dann eine Melodie zusammengebastelt wird, und dann erst kommt der Text. Eigentlich sollte es ja nach landläufiger Meinung, obwohl viele es nicht machen, genau anders herum sein: Erst Text, dann, wenn man weiß, worum's geht und welchen Betonungen und Silbenzahlen die Melodie passen muss, kommt diese, und dann eine passende Akkordfolge zur Melodie, die dennoch interessant und abwechslungsreich bleibt (--> leichte Variationen).
Wir haben gerade mal einen Song live gespielt, weil bei den anderen beiden, die wir zu der Zeit hatten, die Sänger abgesprungen sind. Bei diesem einen Song hat dann der andere Klampfer gesungen, allerdings immer den selben Text für die drei Strophen. Und den verlegt er immer wieder, wenn wir das Stück noch einmal proben wollen.
Da Backgroundgesang ja auch zum großen Teil aus "Aahs" und "Oohs" bestehen, stehen zumindest viele Parts der Backgroundsängerinnen schon fest, wobei auch die noch ihre Solostücke erhalten sollen.
Was den Rockschrei anbetrifft, den hätten wir beiden Gitarristen eigentlich fürs erste passable drauf; der andere hat sich mit Growls wohl noch etwas eingehender beschäftigt. Aber das muss natürlich zum Song passen, und im Reggae, wo sich ja alle wer weiß wie groovy fühlen, einen Scream abzulassen... :roll: ... passt weniger.

Der Punkt ist, dass auch der Songwriting-Futzi beabsichtigt, bei dem Schulkonzert aufzutreten, wo wir ohnehin schon mit dem Chor spielen. Wenn das also klappt, kommen wir gar nicht mehr von der Bühne. :mrgreen: *freu* Nur da nimmt man natürlich die Songs, die schon am weitesten geschrieben sind, und aufgrund des Fokus auf die Reggae- und Funk-Sachen ist das nicht die galoppierende Rock-Hymne. Klar, wenn eine allgemeine Begeisterung für Rock da ist, kann man die ja auch im Anschluss an die Probe mit den Bandmitgliedern ohne den leitenden Lehrer ausleben. Nur wie gesagt: Die Sängerinnen, die Rapper oder auch der neu dazu gekommene Trompeter verkrümeln sich oft schon, bevor die eigentliche Probe vorbei ist. Das ganze ist ja freiwillig. Wenn man also zu viel Druck auf die Leute ausübt, haben die das ganze nachher komplett satt, und dann fehlen wichtige Besetzungen in der Band. :roll:

Der Lehrer übt halt bei uns durch seine Meinung viel Kontrolle über das ganze aus; der eine Song, den wir live gespielt haben und der zumindest am Ende trotz eintönigem Text (wer achtet da heute noch drauf? :roll: ) ganz gut ankam (bezeichnenderweise kam das "Whoa!" in dem Moment am Ende meines Solos, in dem ich das letzte C tremolo gepickt habe - wirkt vielleicht eindrucksvoller als es ist :lol: ), wird von ihm zum Beispiel vor anderen immer nur "die Schnulze" oder "das Gay-Stück" genannt, anstatt es beim Namen zu nennen und zu dem zu stehen, was man macht.
Ich gebe zu, ich halte mich in den Bands verhältnismäßig zurück, da ich mir denke: Wenn der schon einen leicht ins Poppige abdriftenden Song direkt als "gay" bezeichnet, was soll der sich erst über Medieval Metal denken? :roll:
Was softer ist, ist direkt "gay", was der Keyboarder mit seinem Synthi macht sowieso (die beiden haben sich ständig in den Haaren :lol: ), und was sich Metal nähert ist entweder bereits von vorne herein zu schnell, oder wird mit einem einfachen, nicht gerade tief begründeten "Nee" abgewehrt.

Und aufgrund der seltsamen Vorgehensweise beim Schreiben - dadurch, dass der Text erst zum Schluss kommt - gehört auch einiges an Mut dazu, mehr als sonst wahrscheinlich, beim Gesang mitzumachen. Denn der werte Herr Lehrer erwartet dann auch mal gerne von den Sängern, dass sie irgendeinen zusammenhangslosen Mist singen, nur um die Melodie reinzukriegen, bzw. die Rapper sollen dann irgendeinen rhythmischen Kauderwelsch blubbern, nur damit man weiß, wo die Strophe des Liedes ist, weil da meistens gerappt wird. :roll: Auf gut Deutsch, bis ein paar Textzeilen stehen, macht sich da jeder Sänger und/oder Rapper zum Affen.

Das Beste fand ich z. B. heute, dass ich mit dem Trompeter vor die Tür gehen und mir da eine "Trumpet Line für Reggae" mit ihm ausdenken sollte. Okay, ich bin zwar erstens Gitarrist und kein Trompeter, habe zweitens null Ahnung von Reggae-typischen Melodien, drittens keine Notenblätter zur Verfügung, weil sich bei der Band sowieso keiner was aufschreibt (mache ich dann immer zu Hause mit Guitar Pro, ich kenne meinen Part ja), und viertens stehen die Türen zu den Gängen offen, ständig laufen Schüler an uns vorbei, die offenbar noch Unterricht haben in den Räumen nebenan, ach ja, und fünftens hört der Trompeter sowieso nicht, was ich auf meiner nicht verstärkten E-Gitarre spiele, weil der Rest der Band drinnen weiter Krach macht. Aber bitte, gerne! :twisted:

Das klingt nach schlechter bzw. fehlender Vorbereitung. Anstelle von Anspielen-und-Durchwursteln könnte man auch CDs und einen CD-Player dabeihaben. Dann kann jeder seine Lieblingsstücke im Original vorstellen, und aus denen wird eine Handvoll Songs ausgewählt, die in den kommenden Wochen eingeprobt werden.


So würde man es in jeder normalen Band machen, die nur aus Teens besteht, ja. :wink: Und während der Projekttage an unserer Schule, wo wir uns natürlich zu den Muckern gesellt haben, lief das auch ganz gut (da fehlten dann aber die Sänger; Klampfer waren natürlich im Überschuss da, Bassisten gab es zwei und nur einen wirklich guten Drummer, wobei der dann eben für alle gespielt hat. Irgendwas ist halt immer). Aber wie gesagt, nach den Proben unter Leitung der jeweiligen Lehrer ist immer Ende im Gelände. Der eine scheucht uns sowieso alle aus dem Bandraum, wenn er nach Hause muss, und der andere fragt zumindest, ob wir noch drin bleiben wollen. Hat aber wie gesagt meistens keiner Bock zu, weil wir das eben zwei von fünf Tagen in der Woche machen, plus für jeden Mucker einen Tag, an dem er Unterricht für sein Instrument hat.
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Re: Ich komme nicht vorran!

Beitragvon tuppes » Do 10. Dez 2009, 10:52

O Mann, was für ein Haufen Mist.

wird von ihm zum Beispiel vor anderen immer nur "die Schnulze" oder "das Gay-Stück" genannt

In einer "normalen" Band würde er das genau einmal machen, spätestens beim zweiten Versuch wäre er nicht mehr in der Band. Das lässt sich keine Gruppe gefallen, dass eins der Mitglieder einen Song öffentlich schlecht macht.

Dass man intern über Songs streitet, ist mehr oder weniger normal. Aber niemals nach außen ablästern. Damit erreicht man nur, dass keiner mehr einen Song schreiben will.

Das ganze ist ja freiwillig. Wenn man also zu viel Druck auf die Leute ausübt, haben die das ganze nachher komplett satt, und dann fehlen wichtige Besetzungen in der Band.

Ich hab den Eindruck, dass dieser Gruppe was ganz anderes fehlt, nämlich der Zusammenhalt.

Das hängt natürlich alles miteinander zusammen. Wenn es keine probenfähigen Songs gibt, weil die Texte nicht geschrieben sind, dann verschwenden die Sänger bei der Probe nur ihre Zeit. Also können sie genausogut nach Hause gehen. Wenn der Trompeter nicht imstande ist, frei zu improvisieren, gilt für ihn dasselbe: Er kann erst dann sinnvoll mitproben, wenn es Trompetenstimmen zu den Stücken gibt. Und wenn der Lehrer durch die Gegend läuft und rumerzählt, wie blöd die Lieder sind, die da entstehen, dann hat kein Schüler Lust, sich einzusetzen.

Mach doch einfach mal den Vorschlag, das Projekt "Songwriting" einzustampfen und die Band als Coverband weiterzuführen oder bei fehlendem Interesse ebenfalls zu schließen. Das erspart euch viel nervlichen Verschleiß.
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Re: Ich komme nicht vorran!

Beitragvon Strato Incendus » Sa 12. Dez 2009, 15:47

Du triffst da bei vielem den Nerv. :wink:
Aber ganz so schlimm ist es mit dem Ablästern nicht. Er erzählt jetzt nicht etwa vor versammeltem Publikum: "Wir spielen jetzt das Gay-Stück."
Mit "vor anderen" meinte ich in diesem Fall andere, neue Bandmitglieder, wie z. B. die Sängerinnen und den Trompeter, die das Lied noch nicht kannten. In der Situation ging es dann:
Lehrer: "Zeigt denen Mal das andere Stück."
Ich: "Was, das, womit wir aufgetreten sind?"
Lehrer: "Jaja, die Schnulze da, das Gay-Stück."

Interessanterweise gefällt das Lied aber wie gesagt allen am besten, zum Glück auch denen, die neu dazukamen und den Song als "Gay-Stück" vorgestellt bekamen.

Und wenn der Lehrer durch die Gegend läuft und rumerzählt, wie blöd die Lieder sind, die da entstehen, dann hat kein Schüler Lust, sich einzusetzen.


Öffentlich macht er eigentlich genau das Gegenteil, z. B. vor anderen Lehrern. Da lobt er lieber unser aller Talent, wie schnell das doch geht und was wir aus einer einfachen Akkordfolge gemacht haben etc. Im Prinzip pusht er uns eigentlich zu viel; wie gesagt, er will mit uns bei dem gleichen Konzert, wo auch der Chor auftritt, auftreten, also habe ich gefragt: "Mit was denn?", damit wir uns darauf mal fokussieren können. Antwort: "Ja, schätze mal, mit zwei Songs."
Klasse! Ich schätze zwar mal, die Wahl fällt auf den Reggae und die "Schnulze" (ich schreib mal nicht den Titel hier rein, kann ja immerhin jeder lesen :roll: ), aber dann sollte man sich doch langsam mal mit allen Mann gemeinsam mit dem Text befassen, oder? Der Auftritt ist am 16. / 17. Januar.
So, wie ich mir das ursprünglich vorgestellt habe, das man sich z. B. auch mal nur an 'nen Tisch setzt und mit möglichst vielen Köpfen sich über die Lyrics Gedanken macht, läuft das nie. Wir stehen praktisch alle noch auf der Bühne im Proberaum, jeder hat sein Instrument umgeschnallt, und der Text wird quasi währenddessen ersonnen, aber natürlich nicht aufgeschrieben, warum auch? :evil: Es muss ja möglichst schnell weitergehen mit Üben, damit der Song einem ins Blut geht.
Grundsätzlich soll man einen Song, den man aufführen will, natürlich in und auswendig kennen, nur dafür muss man ja erst einmal sicherstellen, dass ein Song draus wird, oder? Bei dem Kreuzritter-Song, den wir familienintern aufnehmen, haben wir erst einmal stundenlang am Text gefeilt, auf den dann ja die Melodie angepasst werden musste, ehe wir überhaupt einmal angefangen haben, den Song zu üben. Und als wir das dann schließlich gemacht haben, war jedermanns Linie in Guitar Pro aufgeschrieben.

Alle Lehrer, die irgendeine Form von Musikprojekt leiten, sind natürlich irgendwo Konkurrenten und versuchen jeweils, ihre Schüler als am besten darzustellen. Jeder ist natürlich geschmeichelt, von jemandem, der sich schon viele Jahre mit Musik beschäftigt, gelobt zu werden, allerdings darf man dabei nicht vergessen, wie intensiv derjenige sich all die Zeit damit befasst hat:
Unser werter Songwriting-Lehrer spielt zwar auch Gitarre und ein wenig Schlagzeug, sagte aber schon, als ich das Riff von Over the Hills and far away angesetzt habe, dass er so etwas nicht könne (speedtechnisch, wahrscheinlich). Für meinen Gitarrenlehrer ist sowas ein Klacks, aber bei dem gilt genauso, wenn ich nur nach seinen Ratschlägen ans Songwriting gehen würde, käme nix dabei rum. Er maßt sich aber im Gegensatz zu dem Lehrer in der Schule auch nicht an, viel Ahnung davon zu haben, was dem Mainstream gefällt; er sagt ehr, er mache Musik für Musiker (kranke Taktmaße etc.)
Das heißt, man muss immer gucken, wann man sich den Ratschlag eines langjährigen "Musikers" zu Herzen nehmen und wann man besser sein eigenes Ding durchziehen sollte.

In einer "normalen" Band würde er das genau einmal machen, spätestens beim zweiten Versuch wäre er nicht mehr in der Band.


Ich habe schon Bands gesehen, die ihren eigenen Gründer rausgeworfen haben. :wink: Aber bei dem Lehrer kannste das schlecht machen, oder? Es können ihm höchstens alle von der Schippe springen.
Das ist auch gar nicht einmal so unüblich; oft werden von Lehrern organisierte Bands wie z. B. die Begleitband für den Chor von den Mitgliedern ja nur dazu genutzt, die Leute kennen zu lernen und dann mit denen selbstständig was zu machen. Nur bei so einer Gruppe mit "Songwriting lernen" als Ziel ist ja noch eine andere Absicht mit dabei (auch wenn ich jetzt nicht wirklich viel da gelernt zu haben glaube, aber wer weiß).
Ich will jetzt ja auch nicht derjenige sein, der alle zur Rebellion anstiftet und sie dazu animieren will, dem Lehrer davonzulaufen. Erstens einmal ist es ja nicht unerträglich da, und zum anderen ist es schwer einzuschätzen, wie sehr welches Bandmitglied hinter dem Lehrer steht. Wenn man bei sowas nicht aufpasst, ist man selbst der einzige, der rausfliegt. :wink:

Mach doch einfach mal den Vorschlag, das Projekt "Songwriting" einzustampfen und die Band als Coverband weiterzuführen


Das ist auch ein recht krasser Richtungswechsel. Ich merke z. B., dass die beiden Lehrer, die Gruppen leiten, die nur selbst Songs schreiben, sich den Covermenschen natürlich überlegen fühlen. Würde man das reine Songwriting-Projekt zum reinen Coverprojekt umfunktionieren, wäre es dem Chor, wenn schon durch nichts anderes (die begleitende Band ist ja die gleiche), doch wenigstens durch die Gesangskünste weit unterlegen sein. Davon abgesehen ist der Lehrer ja von den "Songs", die wir da bis jetzt so zusammengestellt haben, recht überzeugt.
Und für sowas braucht man treffende Gründe. Genau das ist der Punkt; wären alle einheitlich gegen das, was wir da machen, wären wir schon lange nicht mehr in der Band, dann würden wir vielleicht was Eigenes machen. Aber jedem gefällt ein bisschen was daran, nur ist das bei jedem wohl was anderes. Also machen wir alle weiterhin mit. :wink:

Ich hab den Eindruck, dass dieser Gruppe was ganz anderes fehlt, nämlich der Zusammenhalt.


Natürlich. Ich habe ja schon gesagt, dass sich viele nach der eigentlichen Probezeit direkt verkrümeln, oder sogar schon vorher. Dazu kommt noch das Problem mit der Abstimmung der Probetermine: Der Keyboarder und ich kommen aus einer Klasse, der Bassist aber schon aus einer anderen und der andere Gitarrist von einer ganz anderen Schule, d. h. nach der sechsten braucht er immer einiges an Zeit, bis er überhaupt bei uns ist, und zwischendurch geht er noch seine Klampef zuhause abholen. Der Drummer ist in der Oberstufe und hat entsprechend wenig Zeit, die Rapper sind wieder in 'ner anderen Klasse und die Sängerinnen und der Trompeter erst in der Acht. Das ist zwar an sich kein Problem, nur jede weitere Klasse bedeutet natürlich einen neuen Stundenplan, und nichts kommt sich besser in die Quere als sowas.
Jetzt z. B. üben wir immer mittwochs, da können zwar der Bassist, der Drummer und die Sängerinnen besser, für den anderen Gitarristen ist das aber problematisch, und die Rapper können gar nicht kommen. Freitags, was für die Rapper besser wäre, hat der Bassist aber sieben Stunden... und so weiter.
Ursprünglich wollte man z. B. auch heute proben, was aber nur etwas bringen würde, wenn alle kommen könnten. Also hat der Lehrer das ganze vom Drummer abhängig gemacht, uns aber weder eine Uhrzeit noch sonst eine Nachricht zukommen lassen. :roll: Ich gehe dann einfach mal wieder von nächstem Mittwoch aus.

Da haben so Labels echt einen Vorteil: Die setzen die Band unter Druck. Zwar fällt es dann umso schwerer, was Vernünftiges hinzukriegen, aber wenigstens weiß man, dass man irgendwann mal voran machen muss. Bei uns eilt ja nichts; wir hatten unseren Mini-Auftritt im Sommer, wenn wir bis Januar nix auf die Beine gestellt kriegen, versuchen wir's halt beim nächsten Schulkonzert wieder. Wenn der Lehrer wollte, könnten wir auch jedes Mal das gleiche machen:
Reggae üben, dann ohne die Sängerinnen und den Drummer, weil die dann schon wieder durch die Tür wären :evil: , noch das Funk-Stück (ohne Rapper versteht sich) und die "Schnulze" hinten dran hängen, und gut.

Ist doch geil! Dann kann man am Ende drei Songs wie im Schlaf spielen, nur halt ohne Text, aber die Mucke klingt zumindest in den Ohren des Lehrers gut. :lol:
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