Unerwünschte Töne der Saiten

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Unerwünschte Töne der Saiten

Beitragvon sheeper » Mo 23. Aug 2010, 20:07

Hallo,

ich lerne seit ungefähr einer Woche Konzertgitarre (ohne Lehrer, deswegen ja die Frage hier).

Wenn ich einen Akkord spiele, hört sich der soweit ganz gut an. Mein Problem ist aber beim Akkordwechsel.
Wenn ich quasi gerade einen gespielt habe und zum nächsten wechsel, hab ich unschöne Nebengeräusche. Entweder klirrt die Saite (wie beim Nicht-richtig-runterdrücken) oder die Saite erklingt beim Finger heben, je nachdem wie lange der Akkord schon her war.
Ist das normal oder mach ich was falsch?

Ich hoffe mal, das war verständlich genug :?
sheeper
 
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Re: Unerwünschte Töne der Saiten

Beitragvon Strato Incendus » Di 24. Aug 2010, 13:09

Hey, sheeper!
Dass das Wechseln am Anfang Probleme bereitet, ist vollkommen normal. Um ehrlich zu sein, ist das das Haupt-Problem während der ersten Monate des Gitarrespiels: Die Akkorde selbst klappen, aber wie komme ich jetzt schnell vom G aufs D usw.?

Jetzt speziell zu deinen Fragen:
1) Es kann durchaus sein, dass du noch nicht sauber genug greifst. Das ist aber nichts (auch, wenn es sich oft so anhört), wofür du dich tadeln lassen musst, das ist am Anfang eben noch so. Fester draufdrücken ist im Augenblick der einzige Trick, den es gibt. :wink: Später wirst du sehen, dass es dir gar nicht mehr wie so viel Kraft vorkommt, die du anwenden musst. Man wird stärker, ohne es wirklich zu merken. Und wenn du dann nochmal richtig zugreifst, sind die Töne alle ein bisschen zu hoch, weil du heftig drückst. Am Anfang aber gilt: Wenn's schnarrt, fester drücken, auch, wenn's den noch untrainierten und unverhornten Fingern wehtut. (Was anderes sind Krämpfe in der Hand, bei denen solltest du sofort aufhören!)
2) Mir scheint, du machst einen unfreiwilligen Pull-Off. Das kann einem am Anfang öfter passieren: Du schlägst quasi mit dem Finger die Saite nochmal an, wenn du ihn von der Saite nimmst. Das kann passieren, wenn du ihn nicht senkrecht zur Saite herunternimmst, sondern zu schräg, also Richtung Boden. Dann zupfst du mit der Fingerspitze nochmal an der Saite, als würdest du sie noch einmal anschlagen, nur eben weit oben am Hals.
Mögliche Lösungen:
a) Abdämpfen mit der rechten Hand: Du legst den rechten Handballen auf die Saiten, kurz vor dem Steg, um sie alle auf einen Schlag abzudämpfen. Bei einer sehr rhythmisch-betonten Spielweise zu empfehlen, aber du willst ja auch flüssige (legato) Akkordwechsel spielen
b) Abdämpfen mit der linken Hand: Du lässt die Fingerspitzen an die Saiten stoßen, die nicht klingen sollen - nicht herunterdrücken, nur berühren! Dann ist nicht mehr als ein leises "Plopp" zu hören, was im Akkord normalerweise untergeht, und du hast keine unpassenden Töne mit drin.
c) der berühmte "Leersaitentrick": Gewöhn dir einfach an, die rechte Hand durchgängig weiter zu bewegen, damit du im Schlagmuster bleibst und keine Unterbrechungen drin hast. Spiel ruhig langsam, und wenn du den Akkord trotzdem nicht schnell genug gewechselt bekommst, dann schlägt die rechte Hand eben kurzzeitig mal nur über die Leersaiten, während du den Akkord wechselst. Das klänge zwar dauerhaft nicht schön, ist aber in der Praxis nur ein so kurzer Augenblick, dass es keiner bemerkt, denn die Spannung wird ja sofort wieder in einen harmonisch klingenden Akkord aufgelöst.

Grundsätzlich sei aber auch dazu geraten, die Finger so senkrecht wie möglich zum Griffbrett aufzusetzen. Einmal hast du dann mehr Kraft, zum Anderen stößt du nicht unfreiwillig an Saiten, die mitklingen sollen, und du kannst die Finger leichter vom Griffbrett nehmen (wenn du das ebenfalls senkrecht machst), ohne Pull Offs zu machen, die du gar nicht willst. :wink:

Die Technik grundsätzlich ist aber nicht falsch: Mit Pull Offs kannst du, vor allem später beim Solospiel, flüssigere Melodien spielen, eben indem du einfach den Finger seitwärts von der Saite nimmst und sie mit eben diesem Finger quasi nochmal anschlägst - aber weicher, im Gegensatz zum Plek.
Das Gegenstück dazu ist der Hammer On, bei dem du auf eine klingende Saite (oder, was schwerer ist, "aus dem Nichts") den Finger "draufhämmerst", ohne die Saite nochmal anzuschlagen. Du spielst also zwei oder gar mehrere Töne mit nur einem Anschlag, auch das klingt dann flüssiger.
Bei beiden Techniken muss man am Anfang auch ungeheuer viel Kraft aufwenden, damit die Töne laut genug sind bzw. überhaupt hörbar werden. Das gibt sich aber - wie so vieles - scheinbar von alleine, wenn man es einfach regelmäßig übt. :wink: Du wirst merken, all das klappt jeden Tag ein bisschen besser.
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Yamaha Pacifica 112, Hagstrom Super Swede, Ibanez S Prestige 5470 F, 7-String Jackson Soloist 3-7 Slat
Marshall JVM 410 H + 1960 AV Marshall Box
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Re: Unerwünschte Töne der Saiten

Beitragvon sheeper » Di 24. Aug 2010, 13:22

Danke für die ausführliche Antwort!
Dann werd ich einfach fleißig weiterüben :)
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